Hallo liebe Weinfreunde und herzlich Willkommen zum Hagener.de Weinblog. In der heutigen Ausgabe befassen wir uns mit einem jungen Superstar am deutschen Weinhimmel: dem Weingut Schneider aus Ellerstadt in der Pfalz.
Die Pfalz, südlich von Rheinhessen gelegen, galt lange Zeit nicht als eine Region, aus der die besten Weine des Landes kommen. Hier fielen eher Namen wie Mosel oder Rheingau. Natürlich gibt es wie immer Ausnahmen von der Regel – denke ich an so bekannte Namen wie Buhl, Bassermann-Jordan oder Koehler-Ruprecht.
Dennoch macht die Pfalz in letzter Zeit immer häufiger von sich Reden. Besonders interessant ist dabei die Tatsache, dass sich das zweitgrößte deutsche Weinanbaugebiet (ca. 24.000 ha) vor allem mit internationalen Rebsorten einen Namen macht. Dazu gehören neben Sauvignon Blanc auch rote Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot.
Doch warum ist der Anbau von Cabernet Sauvignon und Co. in der Pfalz möglich, in anderen deutschen Weinregionen hingegen nicht?
Die Pfalz liegt im Regenschatten des Pfälzer Waldes, der das Gebiet klimatisch nach Westen abschirmt. Die feuchten und kalten Westwinde regnen sich westlich des Pfälzer Waldes ab, was dafür sorgt, dass es in der Pfalz besonders sonnig und trocken ist. Und dieses sonnige und trockene Klima sorgt dafür, dass hier Rebsorten wie Cabernet Sauvignon und Chardonnay ausreifen können. Die Klimaerwärmung der letzten Jahre tut ihr Übriges.
Doch zurück nach Ellerstadt. Der junge Markus Schneider schaffte hier das Weinwunder, indem er den elterlichen Betrieb durch eine moderne Ausrichtung und exzellente Marketing-Maßnahmen zu einem der angesagtesten Betriebe der Region machte.
Zum Weingut gehören heute 50 Hektar Weinberge, die zu 50% mit weißen und zu 50% mit roten Rebsorten bestockt sind. Neben einheimischen Rebsorten wie Riesling und Spätburgunder, findet man hier auch internationale Sorten wie Sauvignon Blanc und Cabernet Sauvignon. Die Böden sind vielfältig und reichen von Lehm über Kies bis hin zu Kalkstein. So findet jede Rebsorte einen geeigneten Standort.
Doch genug der Vorrede. Was haben wir heute eigentlich im Glas?
Chardonnay Bubeneck 2008
Weingut Schneider, Pfalz
Der Chardonnay Bubeneck sieht aus wie Apfelsaft, schmeckt aber zum Glück nicht so. In der Nase finde ich eher Noten von Holz – viel Holz. Andere würden diese Holznoten „burgundisch“ nennen – mein Fall sind die nicht. Neben diesen Holzaromen finde ich Zitrusfrüchte, gelben Früchte und Heu in der Nase. Dazu gesellt sich ein Lösungsmittel-Ton (Uhu), den ich häufiger in sehr konzentrierten Barrique-Weißweinen finde. Die Nase empfinde ich insgesamt als sehr konzentriert und ausladend, wobei dem Wein leider etwas die Komplexität fehlt.
Hoffentlich wird es am Gaumen besser …
Und es wird besser! Am Gaumen zeigt der Wein zwar erneut Barriquenoten, das aber eher in Form von Kräuterwürze. Angenehme und reife Fruchtnoten ziehen sich durch den gesamten Gaumen und werden besonders im Finale präsent. Der Wein ist cremig, ohne dick zu wirken und überzeugt neben Fruchtigkeit und Kräuterwürze durch eine kreidig wirkende Mineralität. Die gute Präsenz und das lange Finale sorgen dafür, dass ich dem Wein mit gutem Gewissen 87+ Punkte geben kann. Das Plus deshalb, weil zu hoffen bleibt, dass der Wein mit zunehmendem Alter komplexer und weniger holzlastig wird. Für etwa 14 Euro ein Wein für den Holzliebhaber oder den Weinfreund mit Zeit und Platz im Keller.
Unser zweiter Wein trägt den etwas merkwürdigen Namen
Tohuwabohu 2007
Weingut Schneider, Pfalz
„Tohuwabohu“ beschreibt die größtmögliche Unordnung, die der ordnenden Hand eines Gottes bedarf. Gewidmet ist dieser Wein dem jungen Sohn des Winzers, der auf dem Weingut so einiges auf den Kopf stellt, aber auch vieles neu ordnet. Gekeltert wird er aus 100% Cabernet Sauvignon. Der Cabernet Sauvignon stammt eigentlich aus dem Bordeaux in Frankreich und wird dort seit vielen Jahrhunderten erfolgreich kultiviert. In Deutschland ist der Cabernet-Anbau hingegen noch eine recht junge Angelegenheit. Im Glas leuchtet der T, wie ich ihn der Einfachheit halber nenne, in einem dunklen Rubinrot. In der Nase sind Schwarzkirschen sehr präsent, zusammen mit cremig wirkenden Eindrücken. Für mich riecht dieser Wein nach Kirscheis. Aber nicht nach künstlichem Wassereis, sondern nach dem guten, handgemachten Sahne-Kirscheis. Hinzu kommen Noten von Leder, Tabak, Kräutern und grüne Aromen, die den Wein etwas unreif erscheinen lassen. Aber ein „grüner“ Eindruck schleicht sich gerne mal in einen Cabernet Sauvignon aus relativ kühlen Anbaugebieten. Also nichts Negatives.
Die grünen Eindrücke wiederholen sich am Gaumen, genauso wie die Aromen, die ich bereits in der Nase gefunden habe. Die vielen und präsenten, aber feinen Tannine zeigen mir eines: dieser Wein ist jung, SEHR jung. Am besten verschwindet er im Keller und sieht vor 2011 das Licht der Welt nicht wieder. Alternativ kann eine Belüftungsorgie im Dekanter den Wein zugänglicher machen. Die Länge ist anständig und der Gesamteindruck stimmig. Für 20 Euro ist das Ganze sicher kein Schnäppchen, aber durchaus interessant für jemanden, der sich einen Eindruck davon machen möchte, wie gut Cabernet Sauvignon aus Deutschland sein kann. Für mich liegt dieser Wein qualitativ auf einer Höhe mit dem Chardonnay: 87+ Punkte.
Zusammenfassend sei zu sagen, dass diese beiden Weine zu den ambitionierteren Weinen der Pfalz gehören. Auch wenn Sie mich nicht 100% begeistert haben, ist dennoch anzumerken, dass sowohl die Pfalz als auch Markus Schneider auf dem besten Wege sind, bekannte Namen für hohe Qualitäten in der Weinwelt zu werden.
Entdecke die Weinwelt!
Helge Hagener

Was haben diese Weine mit der Pfalz zu tun, wo ist der lokale footprint, um in Schneiders Lettern zu sprechen?