Ja, ja – schon wieder Südafrika. Ich bin halt mit den Weinen vom Kap der Guten Hoffnung aufgewachsen und wann immer ich eine gereifte Flasche Wein aus dem Keller hole, steht dort nun einmal meist „South Africa“ drauf. Und vor ein paar Tagen stand auf der Flasche nicht nur „South Africa“, sondern auch „Vergelegen Estate Wine 1998“. Gute Wahl, dachte ich.
Doch zunächst zum Weingut.
Schon seit Jahren gehört Vergelegen zur qualitativen Spitze Südafrikas. Zwei Winzer haben hierbei für den guten Ruf gesorgt: zunächst Martin Meinert, der heute ein eigenes, kleines Weingut im Devon Valley besitzt und André van Rensburg, der seit 1998 für Vergelegen tätig ist.
Van Rensburg ist nicht nur überaus begabt in der Weinherstellung, sondern auch sehr eigenwillig – ganz besonders wenn es um die Bewertung von Weinen anderer Weingüter geht, die er selten in einem guten Licht dar stehen lässt.
So erzählte mir ein Bekannter in der südafrikanischen Weinindustrie, dass van Rensburg einmal gefragt wurde, was er von dem Merlot halten würde, den er gerade blind verkosten würde. Es fielen darauf hin Worte wie „wer hat den Mist denn verbrochen“ und „dem Winzer müsste man verbieten, weiterhin Wein zu machen“. Als er darauf hingewiesen wurde, dass es sich dabei um seinen eigenen Merlot handeln würde, war die Freude natürlich groß, wenn auch nicht auf van Rensburgs Seite.
Eine weitere, vielsagende Geschichte passierte mir vor einigen Jahren auf der Cape Wine-Messe in Kapstadt, als ich nach der Verkostung der Vergelegen Weine van Rensburg mitteilte, dass ich als nächstes die Weine von Ernie Els verkosten würde. Van Rensburg gab mir daraufhin eine Flasche seines Einstiegscuvée (Mill Race Red) mit den Worten mit, ich könne seinen Wein gerne gegenverkosten, denn schon seine Einstiegsqualität wäre besser als die Weine, die auf Ernie Els produziert werden, die teilweise mehr als das Fünffache kosten.
André van Rensburg ist also ein spezieller Mensch, aber eines kann er: Wein machen.
Doch nun zum Wein.
Bis zu dem Jahr, als der „Vergelegen V“ auf den Markt kam, war der „Vergelegen Estate Wine“ das alleinige Aushängeschild des Weingutes, der eine Cuvée aus den klassischen Bordeaux-Rebsorten ist.
Vergelegen Estate Wine 1998
W.O. Stellenbosch, 14,0 %vol.
Im Glas zeigte sich der Wein in einem dunklen Rubinrot mit nur minimalen bräunlichen Reflexen. Was mir etwas merkwürdig erschien, war die Tatsache, dass der Wein nicht den Ansatz eines Depots hatte. Was kann das für Gründe habe?
War das Auge also noch fern davon, wirkliche Reife zu zeigen, so präsentierte das Bouquet eine Aromatik, die sehr von tertiären Noten geprägt war. In der Nase fand ich reife Waldbeeren, Kaffee, Schokolade, Speck, Oliven und Waldboden. Dieses komplexe Aroma war dabei so herrlich weich und unglaublich harmonisch, dass es mir eigentlich bereits ausgereicht hätte, diesen Wein nur zu riechen. Aber wem reicht schon das Riechen?
Am Gaumen fand ich dann genau das, was mir die Nase bereits versprochen hatte: einen überaus weichen, harmonischen und deutlich gereiften Wein, dessen Aromen am Gaumen wesentlich würziger waren als in der Nase. Die Tannine zeigten sich bereits abgebaut und die Säure begann schon etwas, auszutrocknen. Wahrscheinlich war der Reife-Höhepunkt des Weines bereits vor 1 bis 2 Jahren, aber trotzdem war die Säure weit davon entfernt, störend zu sein. Der Wein zeigte eine erstklassige Präsenz, einen kraftvollen Körper und ein extrem langes Finale, dass zunächst von Würze, später von Frucht geprägt war.
Alles in allem eine wirklich schöne, wenn auch letzte, Erfahrung mit diesem Wein, den ich mit 93 Punkten bewerte. Wer von diesem Jahrgang noch Flaschen im Keller hat, sollte dieses Jahr dazu nutzen, den Bestand abzubauen, denn besser wird der Wein sicher nicht mehr. Und wenn die Weinmenge im Keller zu groß ist, um sie alleine abzubauen, ich helfe gerne.

Sehr schöner Artikel. Hat Spaß gemacht zu lesen!